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Vor­be­rei­tung auf mög­li­che und unmög­li­che Ent­wick­lun­gen und Ent­schei­dun­gen unter Unsicherheit

Stra­te­gic Foresight

Ein Unter­neh­men in der glo­ba­len und zuneh­mend digi­ta­len Welt zu steu­ern und zu füh­ren, ist sehr anspruchs­voll. Wir sind in der VUCA-Welt ange­kom­men. Denn die Gegen­wart wie die Zukunft sind unbe­re­chen­ba­rer – und genau des­halb müs­sen wir uns aktiv mit ihr auseinandersetzen.

Her­aus­for­de­rung VUCA: Vom Reagie­ren zum akti­ven Gestalten

Wir sind oft getrie­ben von exter­nen Abhän­gig­kei­ten und Ein­fluss­fak­to­ren – unse­re Füh­rung beinhal­tet immer mehr reagie­ren als gestal­ten. Die­ses Ver­hal­ten kann kost­spie­lig sein und redu­ziert die Anpas­sungs­fä­hig­keit von Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen. Die Ver­ant­wor­tung der stra­te­gi­schen Unter­neh­mens­füh­rung im Ver­wal­tungs­rat und der Geschäfts­lei­tung erfor­dert es, sich auf mög­li­che zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen vor­zu­be­rei­ten. Es gilt Oppor­tu­ni­tä­ten und Gefah­ren zu erken­nen und ange­mes­sen zu han­deln. Dazu gehört auch eine Por­ti­on Mut und Ent­schlos­sen­heit. Die Anwen­dung von «Stra­te­gic Fore­sight» hat ihre Wur­zeln in der poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Füh­rung. In die­sen Umfel­dern sind Stra­te­gien und Plä­ne eine wich­ti­ge Grund­la­ge, die rasche Anpas­sungs­fä­hig­keit ist aber umso wichtiger.

Stra­te­gic Fore­sight stärkt die stra­te­gi­sche Hand­lungs­fä­hig­keit von Ver­wal­tungs­rat und Geschäfts­lei­tung. Das Füh­rungs­team ent­wi­ckelt eine fun­dier­te Grund­la­ge für stra­te­gi­sche Wei­chen­stel­lun­gen und eine vor­aus­schau­en­de Aufsicht.

Vor­aus­schau statt Vor­her­sa­ge — ein wesent­li­cher Unterschied

Auch bei den Unter­neh­men wird zuneh­mend erkannt, dass Wett­be­werbs­fä­hig­keit nicht nur durch Effi­zi­enz­stei­ge­rung sicher­ge­stellt wer­den kann. Die früh­zei­ti­ge Anpas­sungs­fä­hig­keit gewinnt an Bedeu­tung, sie ermög­licht es, ver­schie­de­ne Ent­wick­lun­gen in Füh­rungs­teams struk­tu­riert zu dis­ku­tie­ren und erfor­der­li­che Mass­nah­men zunächst zu defi­nie­ren oder bereits anzu­ge­hen. Mit den Fore­sight-Metho­den geht man den Weg der Vor­aus­schau und nicht der Vor­her­sa­ge – was einen wesent­li­chen Unter­schied darstellt.

Eine Vor­her­sa­ge ver­sucht, die Zukunft mög­lichst genau zu bestim­men. Sie basiert stark auf his­to­ri­schen Daten und sta­tis­ti­schen Model­len. Eine Vor­her­sa­ge ist bei­spiels­wei­se mög­lich für das Wet­ter, den Umsatz eines Pro­duk­tes oder für eine poli­ti­sche Wahl.

Eine Vor­her­sa­ge funk­tio­niert gut in sta­bi­len, linea­ren Sys­te­men – dort, wo die Zukunft eine Fort­set­zung der Ver­gan­gen­heit ist.

Ent­spre­chend ver­sucht eine Vor­aus­schau nicht, die Zukunft vor­her­zu­sa­gen. Sie unter­sucht mög­li­che, plau­si­ble, wünsch­ba­re und uner­wünsch­te Zukünf­te. Für die Vor­aus­schau nutzt man Zukunfts­bil­der, Unsi­cher­hei­ten und Disruptionen.

Mit der Vor­aus­schau sucht man somit nach Ant­wor­ten auf die Fra­ge «Wel­che Zukünf­te sind denk­bar – und wie kön­nen wir sie beein­flus­sen?». Eine Vor­aus­schau ist bei­spiels­wei­se mög­lich für die Digi­ta­li­sie­rung, neue Geschäfts­mo­del­le oder geo­po­li­ti­sche Entwicklungen.

Eine Vor­aus­schau ist beson­ders wert­voll in kom­ple­xen, dyna­mi­schen Sys­te­men, in denen Über­ra­schun­gen nor­mal sind.

Wich­tig ist, dass Stra­te­gic Fore­sight kein ein­zel­nes Werk­zeug ist, son­dern ein Den­kund Arbeits­pro­zess für Füh­rungs­teams. Er befä­higt Orga­ni­sa­tio­nen, mit Unsi­cher­heit umzu­ge­hen und die Zukunft aktiv zu gestalten.

Die Vor­ge­hens­wei­se von Stra­te­gic Fore­sight ist in ver­schie­de­ne Schrit­te geglie­dert und hand­lungs­ori­en­tiert aufgebaut.

Abbil­dung 1: Die Theo­rie des «Schwar­zen Schwans» wur­de von Nas­sim Nicho­las Taleb geprägt. Sie beschreibt Ereig­nis­se, die sehr sel­ten und unvor­her­seh­bar sind

Abbil­dung 2: Mit Stra­te­gic Fore­sight befasst sich ein Füh­rungs­team in 6 Schrit­ten mit bei­na­he unvor­her­seh­ba­ren Entwicklungen.

Schhritt Erläu­te­run­gen Inhal­te Ergeb­nis
1. Framing Fest­le­gung des The­mas, Zeit­ho­ri­zont, Stake­hol­der, Ein­fluss­fak­to­ren, Zie­le und Abgrenzung
  • Zukunfts­fra­gen
  • Pro­zess- und Systemgrenzen
  • Stake­hol­der-Matrix
  • Zeit­ach­se für die Beratung
Eine kon­kre­te Zukunfts­fra­ge wie bei­spiels­wei­se: «Wie ver­än­dert sich das Retail-Ban­king-Geschäfts­mo­dell durch KI für ver­schie­de­ne Generationen?»
2. Scan­ning Samm­lung von Signa­tu­ren, Trends, Trei­bern, Brü­chen und Potenzialen
  • Stär­ken und Schwächen
  • Exter­ne Einflussfaktoren
  • Exper­ten­in­ter­views
  • Kon­junk­tur­ent­wick­lung
  • Regu­lat­ti­ons-Radar
  • Tech­no­lo­gie-Trends
Struk­tu­rier­te und vali­dier­te Grund­la­gen für das Fore­cas­ting, bei­spiels­wei­se Indi­ka­to­ren, die früh­zei­tig anzei­gen, wel­ches Zukunfts­bild sich abzeich­net, auch Hypo­the­sen kön­nen hier gebil­det werden
3. Fore­cas­ting Zukünf­te analysieren
  • Ent­wick­lung von Treibern
  • Unsi­cher­hei­ten und Kippunkte
  • Cross-Impact-Ana­ly­sen
Ana­ly­se mög­li­cher Ent­wick­lungs­pfa­de, dar­aus erge­ben sich Bau­stei­ne für die Zukunftsbilder
4. Visio­ning Dar­stel­lung von wünsch­ba­ren, mög­li­chen und uner­wünsch­ten Zukunftsbildern
  • Zukunfts­bil­der
  • Zukunfts­wer­te
Ver­schie­de­ne Ziel­bil­der (posi­tiv, nega­tiv, auch auf der Zeit­ach­se) als Basis für das Planning
5. Plan­ning Pla­nung einer robus­ten Vor­ge­hens­wei­se, es wer­den meh­re­re Zukunfts­bil­der berückischtigt
  • Stoss­rich­tun­gen
  • Optio­nen
  • Risi­ken und Chancen
Zukunft in Stra­te­gie über­setzt mit­tels Road­maps, Mass­nah­men­port­fo­lio, Optionen
6. Acting Umset­zung in Mach­bar­keits­stu­di­en, Pilot­por­jek­ten, Gover­nan­ce-Anpas­sun­gen, Investitionen
  • Pro­jekt­zie­le
  • Auf­trä­ge
  • Ver­ant­wort­lich­kei­ten
  • Abhän­gig­kei­ten
  • Lern­fort­schrit­te
Erfor­der­li­che Stu­di­en, Pilot­pro­jek­te, Inves­ti­tio­nen, Anpas­sun­gen der Orga­ni­sa­ti­on sowie Erkennt­nis­se für Lernschritte

In den Arbeits­schrit­ten «Scan­ning» und «Fore­cas­ting» ent­ste­hen ver­schie­de­ne Zukunfts­bil­der, die im Füh­rungs­team dis­ku­tiert wer­den. Für eine Bank könn­ten die­se Zukunfts­bil­der bei­spiels­wei­se fol­gen­de Aus­prä­gun­gen haben:

Vom Zukunfts­bild zur robus­ten Strategie

Im Füh­rungs­team ist im «Fore­cas­ting» zu eva­lu­ie­ren, wel­che Zukunfts­bil­der als rele­vant gehal­ten wer­den. Ein zen­tra­les Ergeb­nis von Fore­sight sind Indi­ka­to­ren, die früh­zei­tig anzei­gen, wel­ches Zukunfts­bild sich abzeichnet.

Es ist dar­auf zu ach­ten, dass ein Zukunfts­bild durch sei­nen Ein­fluss eine hohe Wir­kung auf die Orga­ni­sa­ti­on, die Pro­zes­se und die Tech­no­lo­gien hat. Zudem besitzt ein Ziel­bild eine hohe Unge­wiss­heit und die Indi­ka­to­ren müs­sen lau­fend beob­ach­tet wer­den. Typi­scher­wei­se ist das Ziel­bild nicht von der Orga­ni­sa­ti­on kon­trol­lier­bar, da exter­ne Ein­fluss­fak­to­ren bzw. Beein­flus­ser stär­ker sind.

Ein Zukunfts­bild ent­hält typi­scher­wei­se einen prä­gnan­ten und bild­haf­ten Titel und eine Kurz­be­schrei­bun­gen zu Logik, Aus­wir­kun­gen und Indi­ka­to­ren. Dies unter­stützt die rasche Auf­fas­sung, was das Ziel­bild beinhaltet.

Im «Visio­ning» wird eine (be)greifbare Visua­li­sie­rung ent­wi­ckelt, die Iden­ti­fi­ka­ti­on und Aus­ein­an­der­set­zung mit den Zukunfts­bil­dern gestärkt. Es ist sinn­voll, im Füh­rungs­team eine ver­tief­te Dis­kus­si­on zu den Chan­cen und Risi­ken sowie die Impli­ka­tio­nen für die Orga­ni­sa­ti­on die Pro­zes­se und die Tech­no­lo­gien zu füh­ren. Dadurch wer­den die Zukunfts­bil­der im Team ver­an­kert. Wei­te­re Ele­men­te von aus­sa­ge­kräf­ti­gen Zukunfts­bil­dern kön­nen sein:

  • Wert­ver­spre­chen
  • Rol­le im Öko­sys­tem des Finanzplatzes
  • Kun­den und Partner
  • Kern­kom­pe­ten­zen
  • Kul­tu­rel­le Leitprinzipien

Auf Basis die­ser umfas­sen­den Dis­kus­si­on der Zukunfts­bil­der sind im «Plan­ning» stra­te­gi­sche Mass­nah­men zu defi­nie­ren, die bei Akzen­tu­ie­rung der Indi­ka­to­ren aus­ge­löst wer­den kön­nen. Die­se Mass­nah­men kön­nen Kon­zept­ar­bei­ten, Mach­bar­keits­stu­di­en, Eva­lua­tio­nen von Part­nern und Plattformen
umfassen.

Der Schritt des «Acting» wird nicht als Abschluss durch­lau­fen und so das Stra­te­gic Fore­sight been­det. Viel­mehr han­delt es sich um einen zykli­schen Pro­zess — man kehrt regel­mäs­sig zu Scan­ning bzw. Framing zurück. Die zykli­sche Visua­li­sie­rung in Abbil­dung 2 unter­streicht die­sen Vorgang.

Durch die­se Vor­ge­hens­wei­se wird die Ana­ly­se (Scan­ning, Fore­cas­ting) mit der Gestal­tung (Visio­ning, Plan­ning) und der Umset­zung (Acting) ver­bun­den – und bleibt adap­tiv (Framing). So bil­det sie das gesam­te Spek­trum von Zukunfts­ar­beit für ein Unter­neh­men oder eine Orga­ni­sa­ti­on ab: Vom Erken­nen über das Ana­ly­sie­ren bis zum Handeln.

«Gera­de im kom­ple­xen oder gar chao­ti­schen Umfel­dern zei­gen sich die Unter­schie­de in der Füh­rung: Eini­ge fal­len zurück in ‹Com­mand and Con­trol›, ande­re kön­nen mit moder­nen Metho­den, men­schen­ori­en­tier­ter Füh­rung, Krea­ti­vi­tät und Inspi­ra­ti­on das vol­le Poten­zi­al ihres Teams erschliessen.»

Armin Kel­ler, coachingsandmore.ch, Lea­der­ship & Exe­cu­ti­ve Coach

Ein qua­li­ta­tiv guter Fore­sight-Pro­zess ist her­aus­for­dernd, leben­dig, erbringt kon­kre­te Ergeb­nis­se und för­dert die Kol­la­bo­ra­ti­on des Führungsteams.

Ein Füh­rungs­team soll die Metho­den des Stra­te­gic Fore­sight nut­zen, um sich gemein­sam auf mög­li­che Ent­wick­lun­gen vor­zu­be­rei­ten. Nutzt man als Fore­sight-Metho­de, sind bes­se­re Ent­schei­dun­gen in kür­ze­rer Zeit mög­lich. Dies weil sich das Füh­rungs­team durch die Zukunfts­bild-Dis­kus­si­on bereits mit (mög­li­chen) zukünf­ti­gen Ent­wick­lun­gen und erfor­der­li­chen Mass­nah­men im Sin­ne einer Stra­te­gie aus­ein­an­der­ge­setzt hat. Mit Stra­te­gic Fore­sight erhält man ein struk­tu­rier­tes Früh­warn­sys­tem, das Ver­än­de­run­gen früh sicht­bar macht und dadurch Füh­rungs­teams befä­higt, recht­zei­tig zu handeln.

Die­se in der Ten­denz auf­wän­di­ge aber nut­zen­stif­ten­de Vor­be­rei­tung auf mög­li­che Ereig­nis­se oder gar «schwar­ze Schwä­ne» dient dazu, dass die Unter­neh­mens­füh­rung auch in einer weni­ger sta­bi­len Welt agie­ren kann und weni­ger reagie­ren muss. Ein Ver­gleich von Stra­te­gic Fore­sight mit einem klas­si­schen Stra­te­gie­pro­zess lässt fol­gen­de Differenzierung
erkennen:

Kri­te­ri­um Klas­si­scher Strategieprozess Stra­te­gic Foresight
Zeit­ho­ri­zont 1 bis 3 Jahre

oft kurz­fris­tig

5 bis 10 Jahre

lang­fris­tig und mehrdeutig

Aus­gans­punkt Ana­ly­se der aktu­el­len Lage mit Ist-Zustand Zukunfts­fra­ge und Umfeldbeobachtung
Denk­lo­gik
  • line­ar
  • ver­gan­gen­heits­ba­siert
  • explo­ra­tiv
  • zukunfts­of­fen
  • mehr­pfadig
Zukunfts­bild
  • Ziel­bild mit kla­rer Soll-Vorstellung
  • Nor­ma­ti­ves Zukunftsbild
Umgang mit Unsicherheit
  • Mini­mie­rung
  • Pla­nung
  • Kon­trol­le
  • Akzep­tanz
  • Ana­ly­se
  • Gestal­tungs­spiel­räu­me
Stra­te­gie­ent­wick­lung
  • Ablei­tung aus SWOT, Markt­ana­ly­sen und bis­he­ri­gen Ergebnissen
  • Ablei­tung aus Logik, Dis­kus­si­on, von Aus­wir­kun­gen und Indikatoren
Rol­le von Trends
  • Ergän­zend einbezogen
  • oft reak­tiv
  • zen­tra­ler Aspekt für Indikatoren
  • sys­te­ma­tisch gescannt und bewertet
Stake­hol­der-Ein­bin­dung
  • selek­tiv, meist intern mit Fokus auf VR und GL
  • exter­ne Unter­stüt­zung oft für Lage­be­ur­tei­lung und Analyse
  • brei­te­re Aufstellung
  • oft inter­dis­zi­pli­när
  • VR und GL sowie Experten
  • Part­ner ein­bin­den für Wertschöpfungsketten-Sicht
Kul­tur und Haltung
  • pla­nungs­ori­en­tiert
  • sta­bi­li­täts­fo­kus­siert
  • lern­ori­en­tiert
  • adap­tiv
  • expe­ri­men­tier­freu­dig
Ergeb­nis­se
  • Stra­te­gie­do­ku­ment
  • Zie­le und Stossrichtungen
  • Mass­nah­men­plan
  • Zukunfts­bil­der
  • Optio­nen
  • Road­maps
Ver­wen­dung im Alltag
  • Jah­res­pla­nung
  • Bud­ge­tie­rung
  • Report­ing
  • Inno­va­ti­on
  • Trans­for­ma­ti­on
  • stra­te­gi­sche Frühwarnung

Abbil­dung 3: Trai­ning zu Stra­te­gic Fore­sight: Zukunfts­bil­der dis­ku­tie­ren, Mus­ter erken­nen und blin­de Fle­cken ent­de­cken – muti­ge Ent­schei­dun­gen treffen.

Selbst­füh­rung als Vor­aus­set­zung für wirk­sa­me Zukunftsarbeit

Die Zusam­men­ar­beit im Füh­rungs­team ist ein zen­tra­ler Erfolgs­fak­tor im Stra­te­gic Fore­sight. Sie ver­langt Offen­heit, Per­spek­ti­ven­viel­falt und die Fähig­keit, Unsi­cher­hei­ten gemein­sam aus­zu­hal­ten. Doch die­se Form der Zukunfts­ar­beit stellt nicht nur Anfor­de­run­gen an das Team als Gan­zes, son­dern auch an jede ein­zel­ne Füh­rungs­per­son. Damit ein Team unter kom­ple­xen oder gar chao­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen wirk­sam agie­ren kann, braucht es einen hohen Rei­fe­grad an Selbst­füh­rung. Erst die­se inne­re Sta­bi­li­tät ermög­licht es, die Metho­den des Fore­sight voll zu nut­zen und Zukunfts­bil­der kon­struk­tiv zu ent­wi­ckeln. Dies ist eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für wirk­sa­me Zukunfts­ar­beit, wie sie mit Stra­te­gic Fore­sight geleis­tet wird. Die­se Zukunfts­ar­beit lebt davon, dass Füh­rungs­kräf­te unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven ein­brin­gen, Unsi­cher­hei­ten offen dis­ku­tie­ren und mutig neue Optio­nen entwickeln.

In anspruchs­vol­len oder aus­ser­or­dent­li­chen Füh­rungs­si­tua­tio­nen zeigt sich, wie sta­bil eine Füh­rungs­per­son inner­lich ist. Wer sich selbst nicht füh­ren kann, wird in der Aus­ein­an­der­set­zung mit Unsi­cher­heit, Ambi­gui­tät und wider­sprüch­li­chen Signa­len schnell reak­tiv. Stra­te­gic Fore­sight ver­langt jedoch das Gegen­teil: inne­re Klar­heit, Refle­xi­ons­fä­hig­keit und die Bereit­schaft, das eige­ne Den­ken immer wie­der zu hinterfragen.

Die Anwen­dung von Stra­te­gic Fore­sight kon­fron­tiert Füh­rungs­teams mit Ent­wick­lun­gen, die fach­lich wie emo­tio­nal her­aus­for­dernd sind.

Es gibt zuneh­mend Ereig­nis­se, die sich der eige­nen Kon­trol­le ent­zie­hen. Aber auch Risi­ken, die man lie­ber aus­blen­den wür­de und dafür Chan­cen, die Mut und Los­las­sen erfor­dern. Trai­niert wer­den muss auch der Umgang mit Wider­sprü­chen, die nicht sofort auf­lös­bar sind.

Selbst­füh­rung bedeu­tet in die­sem Kon­text Ambi­gui­tät aus­zu­hal­ten, ohne vor­schnell zu ver­ein­fa­chen, eige­ne Denk­mus­ter und blin­de Fle­cken zu erken­nen und Emo­tio­nen zu regu­lie­ren, um nicht in Alar­mis­mus oder Schön­fär­be­rei zu ver­fal­len. Nur wenn Füh­rungs­per­so­nen die­se inne­re Arbeit leis­ten, kann ein Team die vol­le Wir­kung von Stra­te­gic Fore­sight entfalten.

Die Selbst­füh­rung bie­tet in die­sem Kon­text wenig Raum für indi­vi­du­el­le Bedürf­nis­se, sie ist viel­mehr ein kol­lek­ti­ver Erfolgs­fak­tor. Ein Team, das sich selbst füh­ren kann,

  • dis­ku­tiert Zukunfts­bil­der kon­struk­tiv statt polarisierend
  • trifft muti­ge­re Entscheidungen
  • erkennt Mus­ter und blin­de Fle­cken schneller
  • bleibt auch unter Druck handlungsfähig
  • nutzt Unsi­cher­heit als Gestaltungsraum.

Damit wird Selbst­füh­rung zu einem ver­bin­den­den Ele­ment zwi­schen Ana­ly­se (Scan­ning, Fore­cas­ting) und Gestal­tung (Visio­ning, Plan­ning). Sie schafft die inne­re Sta­bi­li­tät, die not­wen­dig ist, um äus­se­re Insta­bi­li­tät pro­duk­tiv zu verarbeiten.

Ein Füh­rungs­team kann durch Selbst­füh­rung im Fore­sight-Pro­zess bewusst gestärkt wer­den. In einem Stra­te­gic-Fore­sight-Trai­ning wer­den kur­ze indi­vi­du­el­le Refle­xi­ons­schlau­fen, bewuss­te Per­spek­ti­ven­wech­sel, kla­re Rol­len und Gesprächs­re­geln und eine Team­kul­tur, die Offen­heit und Wider­spruch zulässt pra­xis­nah angewendet.

So wirkt Stra­te­gic Fore­sight stär­ker als nur ein struk­tu­rier­tes Vor­ge­hen – es wird zu einem Lern- und Ent­wick­lungs­pro­zess für das gesam­te Führungsteam.

Zusam­men­fas­sung

Eine Vor­her­sa­ge zeigt, was wahr­schein­lich pas­siert. Eine Vor­aus­schau befä­higt ein Füh­rungs­team, auf das Unwahr­schein­li­che vor­be­rei­tet zu sein. Mit Stra­te­gic Fore­sight kann ein Füh­rungs­team die­se Kom­pe­ten­zen struk­tu­riert ent­wi­ckeln. Selbst­füh­rung ist dabei der Anker­punkt, der Ori­en­tie­rung schafft – gera­de dann, wenn die Zukunft unüber­sicht­lich wird. Dabei ist es wich­tig, dass Stra­te­gic Fore­sight nicht die Stra­te­gie ersetzt – es macht sie aber robuster.

Portrait von Stefan Lenz

Ste­fan Lenz
Mana­ging Partner
+41 79 354 23 84
stefan.lenz@360excellence.com

In der VUCA-Welt wird es immer wich­ti­ger, dass Füh­rungs­teams sich auf mög­li­che und unmög­li­che Ent­wick­lun­gen vor­be­rei­ten. Dies ins­be­son­de­re auf der per­sön­li­chen und kul­tu­rel­len Ebene. 

Ste­fan Lenz beglei­tet Unter­neh­men und Gre­mi­en in stra­te­gi­schen Fra­ge­stel­lun­gen, Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen und kom­ple­xen Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen. Durch lang­jäh­ri­ge Erfah­rung in Unter­neh­mens­füh­rung und ‑ent­wick­lung, sowie sei­nem Enga­ge­ment in der Schwei­zer Armee und der Poli­tik ver­fügt er über ein tie­fes Ver­ständ­nis für die Füh­rung in Unsi­cher­heit und Dyna­mik. In sei­ner Arbeit ver­bin­det er ana­ly­ti­sche Metho­den mit sys­te­ma­ti­scher, pra­xis­na­her Umsetzung. 

Er unter­stützt Füh­rungs­teams dabei, Zukunfts­bil­der zu ent­wi­ckeln, stra­te­gi­sche Optio­nen zu beur­tei­len, robus­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und aus­ser­or­dent­li­che Situa­tio­nen zu bewältigen.