Dank Ent­kop­pe­lung von Kun­den- und Kernsystemen

Pro­zess­di­gi­ta­li­sie­rung mit unter­schied­li­chen Geschwindigkeiten

Für das Kun­den­ge­schäft wer­den anspre­chen­de Lösun­gen gefor­dert (Web­sites, Mobi­le Apps usw.), die Kun­din­nen und Kun­den auf meh­re­ren Kanä­len anspre­chen und sei­ne Bedürfnisse und Erwar­tun­gen erfüllen. Auch gilt es, die Nase im Wind zu haben, um Ange­bo­te rasch zu lan­cie­ren oder auf Mit­be­wer­ber zu reagie­ren. Dies for­dert eine gewis­se Fle­xi­bi­li­tät. Die Kern­sys­te­me eines Unter­neh­mens für die Kun­den­da­ten, die Ver­trags- und Auf­trags­ver­wal­tung set­zen im Gegen­satz dazu auf Sta­bi­li­tät. Damit sind unter­schied­li­che Geschwin­dig­kei­ten vor­han­den, die es in der Umset­zung von Digi­ta­li­sie­rungs-Pro­jek­ten zu berücksichtigen gilt.

Die­se unter­schied­li­chen Geschwin­dig­kei­ten und ein hoher Kos­ten­druck führen dazu, dass die «Ver­zah­nung» der Pro­zes­se und Sys­te­me neu gedacht wer­den soll­te. Denn nicht jedes neue oder geän­der­te Ange­bot auf einer Kun­den­platt­form kann wirt­schaft­lich voll­stän­dig digi­ta­li­siert abge­bil­det wer­den. Eine stär­ke­re Ent­kop­pe­lung von Kun­den- und Kern­sys­te­men bie­tet hier Chancen.

Kun­den­er­leb­nis und Risi­ken beurteilen

Damit das Kun­den­er­leb­nis im ­erfor­der­li­chen Mass wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann, ist eine umfas­sen­de Betrach­tung der Pro­zes­se und Appli­ka­tio­nen auf Basis der Geschäfts­ar­chi­tek­tur sinn­voll. Die Ver­wen­dung von End-To-End-Pro­zes­sen mit den ent­spre­chen­den Bau­stei­nen der Geschäfts­ar­chi­tek­tur ermög­licht eine etap­pier­te Pla­nung und Realisierung.

Die Schaf­fung eines durch­gän­gi­gen Kun­den­er­leb­nis­ses, die Erfül­lung der Com­pli­an­ce-Anfor­de­run­gen und die Reduk­ti­on von Risi­ken sind rele­van­te Fak­to­ren für die Priorisierung.

Um die­se Dis­kus­si­on zu unter­stüt­zen, bie­tet sich die Nut­zung einer ­Geschäfts­ar­chi­tek­tur mit den fach­li­chen Bau­stei­nen an. Die­se wer­den dabei von ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen als Pro­duct Owner bewirt­schaf­tet. Auf­bau­end auf die­sen fach­li­chen Bau­stei­nen defi­nie­ren die Pro­cess Owner die Ver­wen­dung die­ser ­Bau­stei­ne in ihren End-To-End-Pro­zes­sen, um die Digitali­sierung in Etap­pen anzu­ge­hen (sie­he Abbil­dung 1).

Die Geschäftsarchitektur einer Bank umfasst typischerweise zwanzig bis dreissig fachliche Bausteine.

Abbil­dung 1: Die Geschäfts­ar­chi­tek­tur einer Bank umfasst typi­scher­wei­se zwan­zig bis dreis­sig fach­li­che Bausteine.

Damit wird die Stra­te­gie-Umset­zung des Unter­neh­mens von der Geschäfts­ar­chi­tek­tur über die Pro­zes­se ange­gan­gen. Die agi­len Entwick­lungen vom Port­fo­lio über Epi­cs und Fea­tures sind in den Pro­gram ­Incre­ments trans­pa­rent plan- und steuerbar.

Betrach­ten wir dazu ein Bei­spiel aus dem Zah­lungs­ver­kehr: Die Umset­zung von «Instant Pay­ment» als durch­gän­gi­ger Pro­zess lässt sich in der Geschäfts­ar­chi­tek­tur End-To-End mit neun Bau­stei­nen abbil­den (sie­he Abbil­dung 2).

Identifikation von End-to-End-Prozessen

Abbil­dung 2: In die Zah­lungs­ab­wick­lung eines Instant Pay­ments sind min­des­tens neun Bau­stei­ne involviert.

Für die­se Bau­stei­ne gilt es, abge­stimmt auf den Ein­füh­rungs­ter­min von Instant Pay­ment die not­wen­di­gen Ana­ly­sen und Ent­wick­lun­gen vor­zu­neh­men (sie­he Abbil­dung 3). Denn die­se «Sofort-Zah­lun­gen» wer­den ab August 2024 innert 10 Sekun­den abge­wickelt. Zudem muss der neue Zah­lungs­ser­vice wäh­rend 7 x 24 Stun­den und an 365 Tagen ange­bo­ten werden.

In der Wertschöpfungskette für einen Zahlungsauftrag sind oft diese neun Bausteine in die Aktivitäten und Prozesse involviert.

Abbil­dung 3: In der Wert­schöp­fungs­ket­te für einen Zah­lungs­auf­trag sind oft die­se neun Bau­stei­ne in die Akti­vi­tä­ten und Pro­zes­se involviert.

Ent­kop­pe­lung mit der ­Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form «Lagoon»

Um die­se Kon­zep­te und die damit ver­bun­de­ne Ent­kop­pe­lung in die Pra­xis umzu­set­zen, sind Platt­for­men und Schnitt­stel­len not­wen­dig. Eine «Digi­ta­li­sie­rungplatt­form» ermög­licht dabei die geziel­te Digi­ta­li­sie­rung in einem abge­grenz­ten Umfang – bei­spiels­wei­se für Funk­tio­nen in den Bau­stei­nen «E‑Banking Web» sowie im «Kun­den­be­zie­hungs­ma­nage­ment» und der «Kern­ban­ken-Lösung».

Die Rea­li­sie­rung wird nun in Etap­pen ange­gan­gen. Die Bau­stei­ne der Geschäfts­ar­chi­tek­tur beinhal­ten ver­schie­de­ne Appli­ka­tio­nen, die­se wer­den nach Bedarf in die Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form inte­griert und mit einem API «aus­ge­stat­tet». Die­se App­li­ca­ti­on Pro­gramming Inter­faces ermög­li­chen es, zwi­schen den Sys­te­men einen defi­nier­ten Dia­log zu führen:

  • Anfra­ge zu Sta­tus eines Objektes
  • Anfra­ge zu Sta­tus eines Auftrags
  • Auf­trag, Abwick­lung mit Bestätigung
  • Auf­trag, Abwick­lung mit Abbruch und Fehlermeldung

Sol­che Digi­ta­li­sie­rungs­platt­for­men mit Schnitt­stellen oder Kon­nek­to­ren sind am Markt mitt­ler­wei­le ver­füg­bar. Mit der Digitali­sierungsplattform «Lagoon» steht eine Open-Source-Soft­ware bereit, wel­che die­se Ent­kop­pe­lung zwi­schen Kun­den- und Kern­sys­te­men sowie eine etap­pier­te Ent­wick­lung ermög­licht (sie­he Abbil­dung 4).

Transformation von Prozessen im Prozess-Team

Abbil­dung 4: Lagoon ermög­licht es, unkom­pli­ziert Dienst­leis­tun­gen und Pro­duk­te zu lan­cie­ren und so schnell auf Bedürf­nis­se der Kund­schaft zu reagieren.

Damit kön­nen moder­ne Kun­den­ser­vices zeit­nah, sicher und zu redu­zier­ten Kos­ten rea­li­siert wer­den. Die Inter­ak­ti­on mit den Kun­den erfolgt mit­tels Ent­wick­lun­gen auf Lagoon. Die­se umfas­sen die Web­site der Bank, das Benut­zer­lo­gin sowie typi­sche ­Bera­tungs- und Ser­vice­pro­zes­se (Kon­to, Kar­ten, Zah­lun­gen, Kre­di­te usw.). Die Abwick­lung der Geschäfts­pro­zes­se wird über die APIs zu den Appli­ka­tio­nen in den Bau­stei­nen (z. B. «Zah­lungs­ab­wick­lung» oder «Out­put») wahr­ge­nom­men. Der End-To-End-­Pro­zess pro­fi­tiert so von moder­nen Ent­wick­lun­gen auf der Kun­den­sei­te und bewähr­ter Sta­bi­li­tät auf den Kern­sys­te­men. Die Betriebs­kosten las­sen sich so ­redu­zie­ren, da vor­han­de­ne APIs mehr­fach genutzt wer­den kön­nen, um gan­ze Pro­zes­se durch­gän­gig zu digitalisieren.

 «Die Digi­ta­li­sie­rung und die agi­le Wei­ter­ent­wick­lung von Pro­zes­sen erfor­dert eine Ent­kop­pe­lung zwi­schen Kun­den- und Kern­sys­te­men. Mit einer Geschäfts­architektur zur Steue­rung und einer Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form in der Umset­zung kann die­sen strate­gischen Her­aus­for­de­run­gen begeg­net werden.»

Ste­fan Lenz, 360excellence AG

Trans­pa­renz und Unab­hän­gig­keit durch Open Source

Die Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form Lagoon wur­de auf APPUiO, der «Swiss Con­tai­ner Platt­form» (OpenS­hift) auf­ge­baut. Sie besteht aus­schliess­lich aus Open-Source-Kom­po­nen­ten (sie­he Abbil­dung 5). Dies erhöht die Her­stel­ler­un­ab­hän­gig­keit und redu­ziert den so ­genann­ten «Ven­dor-Lock-in» da Ent­wick­lun­gen auch unab­hän­gi­ger von Kernsys­temen rea­li­siert wer­den können. 

Wei­te­re Anga­ben zu den Open-Source-Kom­po­nen­te in der Platt­form Lagoon wer­den auf der Web­site zu Lagoon publiziert.

Die Platt­form Lagoon ist nach den Vor­ga­ben von ISAE 3402 zer­ti­fi­ziert und erfüllt die regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen von Wirt­schafts­prü­fern für inter­ne Kontrolls­ysteme. Lagoon ist eine von Puz­zle ITC und acrevis Bank eta­blier­te Lösung. Die acrevis Bank ist eine Regio­nal­bank mit rund 175 Mit­ar­bei­ten­den und 8 Geschäfts­stel­len. Sie nutzt als Kern­ban­ken­lö­sung ­Fin­no­va Bank­wa­re. Die Imple­men­tie­rung der Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form wur­de von unse­rem Part­ner Puz­zle ICT aus Bern vor­ge­nom­men. Der Betrieb wird von VSHN AG (https://www.vshn.ch/) sicher­ge­stellt, eine Zür­cher Dev­Ops Fir­ma mit Fokus auf Ope­ra­ti­ons. Bis­her wur­den 13 Appli­ka­tio­nen und Ser­vices auf der Platt­form Lagoon inte­griert. Die­se Appli­ka­tio­nen wer­den von Bank­kun­din­nen und ‑kun­den aktiv genutzt. 

Die Wei­ter­ent­wick­lung von Lagoon basiert auf dem Com­mu­ni­ty-Kon­zept von Open Source. So kön­nen die betei­lig­ten Part­ner von­ein­an­der pro­fi­tie­ren und Wis­sen und Kos­ten tei­len. Die Appli­ka­tio­nen und APIs kön­nen gemein­sam genutzt werden.

Identifikation von End-to-End-Prozessen

Abbil­dung 5: Open-Source-Komponenten

Zusam­men­fas­sung

Durch die kon­se­quen­te Wert­schöp­fungs­ana­ly­se, aus­ge­rich­tet auf das beab­sich­tig­te Kun­den­er­leb­nis, kann sich das Unterneh­men auch mit der bestehen­den Appli­ka­ti­ons­land­schaft digi­tal aus­rich­ten. Dabei kön­nen ent­lang der Stra­te­gie auch für un­terschiedliche Geschäfts­fel­der bzw. Kun­den­seg­men­te die erfor­der­li­chen digi­ta­len Ser­vices ent­wi­ckelt werden.

Die Ver­än­de­rungs­ma­cher von 360excellence beglei­ten Sie und Ihr Unter­neh­men mit umfas­sen­der Pro­jekt- und Digi­ta­li­sie­rungs­er­fah­rung auf die­sem auf Sie zuge­schnit­te­nen Weg.

Wir ken­nen die Stol­per­stei­ne sowie Erfolgs­fak­to­ren, kon­tak­tie­ren Sie uns ger­ne für wei­te­re Informationen.

Stefan Lenz

Für einen Geschäfts­pro­zess mit einer Bera­tung und einem Ver­trags­ab­schluss wer­den typi­scher­wei­se ver­schie­de­ne Appli­ka­tio­nen ein­ge­setzt. Die­se stel­len die not­wen­di­gen Funk­tio­nen bereit. Die­se Ver­zah­nung von Anwen­dun­gen bie­tet die not­wen­di­ge Spe­zia­li­sie­rung, macht aber die Wei­ter­ent­wick­lun­gen schwer­fäl­lig. Durch die Ent­kop­pe­lung von Kun­den- und Kern­sys­te­men über eine Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form gewin­nen Unter­neh­men an Fle­xi­bi­li­tät. Die Digi­ta­li­sie­rungs­platt­form inte­griert Appli­ka­tio­nen über APIs und macht so die Kom­ple­xi­tät beherrsch­ba­rer. Um dabei das Pro­jekt­port­fo­lio agil zu steu­ern und Vor­ha­ben umset­zen, soll­te eine Geschäfts­ar­chi­tek­tur eta­bliert wer­den. Die Pro­duct Owner ver­ant­wor­ten und pla­nen die fach­li­chen Bau­stei­ne der Archi­tek­tur und unter­stüt­zen die Umset­zung der Stra­te­gie. Die Pro­cess Owner brin­gen die Anfor­de­run­gen an die End-To-End-Pro­zes­se mit der Nut­zung der Bau­stei­ne ein. Durch das «Lean Port­fo­lio Manage­ment» wird der Ele­fant in Schei­ben geschnit­ten und die Umset­zung in Etap­pen angegangen.

In der Aus­ge­stal­tung und Ein­füh­rung die­ser Kon­zep­te unter­stützt sie 360excellence, um Ver­än­de­run­gen umzu­set­zen, Ergeb­nis­se gemein­sam zu erzie­len und Men­schen mit auf die Rei­se zu nehmen.

Ste­fan Lenz